Interview mit Martin Neuhof

Interview mit Fotograf Martin Neuhof

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In der Leipziger Szene bereits fest etabliert, gehört Martin Neuhof mit Sicherheit zu den jungen deutschen Fotografen, die man unbedingt im Blick behalten sollte, denn seine Bilder zeichnen sich durch großartige Lichtstimmungen und erfrischende Ideen aus.

Martin arbeitet hauptsächlich mit „ganz normalen Menschen“, also keinen Profi-Models. Da es ihm gelingt, die Stimmungswelt der fotografierten Personen einzufangen, haben seine Fotos eine emotionale Tiefe und Authentizität, die man in manchen Fotos der Profi-Fotografen mit Profi-Models vermisst.

Sehr gut gefallen mir auch die Farbwelten, die Martin den Fotos in der Nachbearbeitung verleiht, dabei aber nie den „Photoshop-Regler“ zu weit aufdreht und immer glaubhaft bleibt.

Wie umtriebig Martin ist, zeigen seine vielen Projekte. So fotografiert er 101 Leipziger Helden des Alltags, betreibt das Kreativblog farbwolke.de und wird durchstreift mit Eric Kemnitz ab sofort drei Monate lang das Leipziger Neuseenland auf der Suche nach Motiven von der Begegnung zwischen Mensch und Wasser.

Martin, ich freue mich sehr, dass Du Dich für ein Interview bereit erklärt hast!

Was hat Dich zur Fotografie gebracht?
Meine Eltern. Als ich 15 war haben sie mir damals eine 1,3 Megapixel Kamera geschenkt… Die gute Olympus. Ab dem Zeitpunkt hab ich ständig Fotos gemacht. Meist nur Schnappschüsse. Dabei sei gesagt, mein Opa (Friedrich Gahlbeck) war jüngster DDR-Meisterfotograf und er starb als ich 14 war… Ich glaub die „Gabe“ Fotos zu machen habe ich von ihm geerbt. Leider konnte ich mich nie wirklich mit ihm darüber austauschen. 

Was bedeutet Dir die Fotografie?
Man hat oft das Gefühl, die eigenen Fotos zu wichtig zu nehmen. Für mich bedeutet die Fotografie alles und nichts. Mich interessieren die technischen Aspekte eher wenig, mir geht es darum einen Moment festzuhalten, was zu erschaffen, was mich selbst überleben kann. Dabei geht es auch primär nicht um mich, sondern um das was entstanden ist. Jeder kann ein gutes Foto machen, nur beständig sich weiterzuentwickeln ist wohl das wichtigste, eben nicht sich im eigenen Stil zu verfangen, auch mal fotografisch ausschweifen damit man seinen eigenen Horizont erweitert.

Wie würdest Du Deinen fotografischen Stil beschreiben?
Ich beschreibe meinen Stil, eigentlich selbst eher weniger. Ich selbst empfinde mich noch nicht als „gut“. Sondern als „ok“ – es geht wohl immer besser. Ich glaub die Menschen die ich fotografieren möchte, sind ganz normale Leute, ich suche wohl eher das ungewöhnliche im normalen Alltag. Mir ist es wichtig, die Menschen abzubilden und keine Fassade, keine eigenartigen aufgesetzten Sets, so ist unser Leben nicht… unser Leben ist Alltag, die täglichen Dinge… Ich möchte mit meinen Fotos die alltägliche Schönheit in uns darstellen. Dabei spielt für mich in meinen Fotos das Farbklima eine sehr wichtige Rolle.

Wer oder was inspiriert Dich?
Musik, ohne Musik wäre ich nur ein halber Mensch. Ich höre sehr gerne Podcasts und Musik vorzugsweise deutschen Sprechgesang und Akustik. Dabei die Augen schließen und der eigene Kinofilm läuft vor dem inneren Auge ab. Alltägliche Situationen können mich auch sehr inspirieren…

Wie entstehen Deine Shooting-Ideen? Machst Du Dir einen detaillierten Plan im Vorfeld oder entstehen sie während des Shootings?
Es ist eine Mischung aus beiden, ich bereite mich vor, überlege mir den Ort wo das ganz stattfinden soll, meistens kenne ich diese Orte sehr gut und daher fällt es mir dann während des Shootings auch eher leicht interessante Ideen zu entwickeln.

Wie stellst Du typischerweise Kontakt zu Deinen Models her?
Manchmal finde ich sie einfach auf der Straße, beim Arbeiten oder sie schreiben mich an. Es gibt da keinen goldenen Weg. Die Leute müssen motiviert sein, richtig Lust auf ein paar Fotos haben, Bock auf meine Fotoidee… Dann funktioniert es meistens auch. Letztlich hab ich das Kassenmädchen bei KFC angesprochen, da sie mir enorm freundlich erschien und mich gleich irgendwie begeistert hat. 3 Stunden später, gab es den Facebook Kontakt und bald folgt hoffentlich ein Shooting.

Erzähle uns Deine lustigste, unheimlichste oder am meisten bewegende Geschichte während eines Fotoshootings!
Während eines Shooting gibt es da öfters so einen ganz speziellen Moment, wo man als Fotograf weiß „Jetzt vertraut dir die Person zu 100%“ – man könnte jetzt alles verlangen. Dieser Moment „kickt“ mich jedes Mal aufs Neue. Ich hatte mal ein Model, was ein paar Wochen vorher vor dem Traualtar stehen gelassen wurden ist… Wir haben in dem Shooting probiert ihre Wut und ihre Traurigkeit umzusetzen. Im Nachhinein bekomme ich Gänsehaut wenn ich an diese Stunden denke.

Deine Bilder haben wunderbare Farben und herausgearbeitete Details. Welche Rolle spielt für Dich elektronische Bildbearbeitung?
Ich finde Bilder können durch die Bearbeitung unheimlich an Tiefe und Aussage gewinnen. Daher verzichte ich eher ungern auf die Bearbeitung… Meistens spiele ich oft mit dem Farbklima der Fotos. Ich stehe sehr auf warme Farbtöne und das sieht man sicherlich auch in meinen Bildern.

Eine letzte Frage. Wen oder was würdest Du unheimlich gerne einmal fotografieren, wozu Du noch keine Gelegenheit hattest?
Ich würde gerne einmal Sarina Nowak oder Alina Süggeler fotografieren. Diese 2 Menschen sind auf so natürlich  „hübsch“ dass ich diese beiden Personen sehr gerne einmal vor meiner Kamera hätte. Gerade Sarina verfolge ich schon sehr lange auch auf Facebook und es wäre ein kleiner Traum der da in Erfüllung gehen würde.

Martin, vielen Dank für das Interview!

Mehr Bilder von Martin könnt Ihr in seinem Portfolio bewundern, wo er auch Orte und Ablauf der Shootings beschreibt. Um Martin zu folgen, werdet auch unbedingt Fan seiner Facebook-Seite!

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